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In dubio pro reo - im Zweifel für den Angeklagten



Familie und Freunde kämpfen für Steffen Brunner 

 

In dubio pro reo - im Zweifel für den Angeklagten - so lautet das Credo der Justiz. Dennoch kommt es immer wieder zu Fehlurteilen: Unschuldige werden inhaftiert, während der Täter sein Leben weiter in Freiheit ver­bringt. 

Am 21.Oktober 2012 traf meinen Mann Steffen Brunner und unsere Familie der größte Schicksalsschlag.

Er wurde des versuchten Mordes beschuldigt. Seither ist nichts mehr so wie es einmal war.

Steffen Brunner soll am 12.10.2012 die in Heusenstamm wohnhafte K. Koch überfallen und niedergeschlagen haben. Bei dieser hat er vier Wochen zuvor Handwerksarbeiten verrichtet. Hierdurch seien ihm die Vermögensverhältnisse der Geschädigten aufgefallen.

Die Anklage lautete "versuchter Mord", da er diese Tat aus Habgier begangen haben soll. Er soll der Frau Schmuck im Wert von ca. 70.000€ entwendet haben.

Am 05. März 2015 wurde er nach 10 Verhandlungstagen wegen versuchten Totschlags zu 7 Jahren Haft verurteilt.

Die Revision wurde ein Jahr später abgelehnt, woraufhin er am 17.Mai 2016 (an seinem 50. Geburtstag) die Haft antrat. Bis zur Entscheidung über die Revision, also bis zum Eintritt der Rechtskräftigkeit des Urteils, war er auf freiem Fuße, musste sich jedoch zweimal wöchentlich bei der Polizei melden.


Folgende Indizien haben zur Verurteilung geführt:

  • Schraubendreher: Es wurde ein Schraubendreher gefunden, der meinem Mann zugeordnet werden konnte. Bezug zur Tat hatte dieser jedoch nicht. Zudem stritt er nie ab, dass es sich dabei um seinen Schraubendreher handelte. Vielmehr gab er an diesen bei seinen handwerklichen Arbeiten vier Wochen zuvor bei Frau K. vergessen zu haben. Frau K. bestätigte vor Gericht, dass ein Handwerker vier Wochen zuvor ihre Balkonbespannung erneuerte.
  • Stofffasern: In seinem Auto wurden Stofffasern gefunden, die eventuell dem Bademantel der Geschädigten zugeordnet werden können. Eine eindeutige Sicherheit, dass diese Fasern tatsächlich vom Bademantel stammen, konnte nicht festgestellt werden. Darüber hinaus wurde von der Gutachterin dargelegt, dass die Fasern auch vom handwerklichen Besuch auf den Autositz gelangt sein könnten. Dies würde auch erklären, wieso nur eine derart geringe Menge an Fasern gefunden wurde.


Folgende Fakten sprechen gegen eine Täterschaft:

  • kein Motiv: Das anfängliche Motiv der finanziellen Not konnte in der Hauptverhandlung widerlegt werden. Zwar hatten mein Mann und ich einen Kredit aufgenommen, um Renovierungsarbeiten im neu bezogenen Haus durchführen zu können, dennoch wurde dieser Kredit immer gedeckt. Es gab keinerlei Anhaltspunkte, die auf eine finanzielle Notlage hinwiesen und aus derer mein Mann keinen anderen Ausweg mehr sah, als eine ältere Dame zu überfallen.
  • Fußabdrücke: Es wurden bei der Frau Fußabdrücke aus Blut gefunden, die als Täterabdrücke identifiziert wurden. Mein Mann unterzog sich während der Ermittlungen und während der Hauptverhandlung insgesamt zweimal einem ausführlichen Gutachten, das nachweisen sollte, ob er die Schuhabdrücke hinterlassen hat oder nicht. Die Gutachterin kam beide Male ohne Abweichungen zu dem Ergebnis, dass mein Mann diese Abdrücke auf gar keinen Fall hinterlassen haben kann.
  • Alibi: Mein Mann hatte ein lückenloses Alibi. Sowohl unsere Tochter als auch ein früherer Kunde bestätigten (unabhängig voneinander), dass er an dem Tattag erst bei unserer Tochter zu Hause war und danach den Kunden besuchte.
  • Gegenüberstellung: Mein Mann wurde einem Zeugen, der den Täter weglaufen sah, gegenübergestellt. Dabei bekundete der Zeuge, dass der Täter lichtes graues Haar hatte (was definitiv nicht auf meinen Mann zutrifft: siehe Bild) und dass der Täter den er gesehen habe, eine viel breitere Statur als mein Mann aufwies.
  • keine DNA/Blutspuren: Zudem wurden im Rahmen der Durchsuchung unseres Hauses und unserer Autos keinerlei DNA-Spuren oder Blutspuren gefunden, die auf die Täterschaft meines Mannes hinweisen.

Eine Verurteilung wegen versuchten Mordes wurde am ersten Verhandlungstag fallen gelassen, da der Schmuck sich während des Ermittlungsverfahrens die ganze Zeit bei der Polizei befand. Aufgrund unsauberer Ermittlungen wurde dies erst sehr spät aufgeklärt. Aus diesem Grund fiel das Mordmerkmal der Habgier weg. Im Raum stand daraufhin "nur" noch eine Anklage wegen versuchten Totschlags.

Viele Fehler bei den Ermittlungen führten leider dazu, dass Beweise, die für meinen Mann hätten sprechen können, auf mysteriöse Art verloren gegangen sind. So wurden seitens der Polizei die Mobilfunkauswertungen ausversehen unwiderruflich gelöscht. Zudem verschwand ein Ast, der am Tatort sichergestellt wurde und an dem DNA-Spuren des Täters vermutet wurden, auf unerklärliche Weise auf dem Weg zur KTU.

Herr Frank Peter, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht, nahm sich 2016 unserem Fall an. Er verfasste eine Wiederaufnahme, die er am 11.08.2016 bei Gericht einreichte. Seither hoffen wir, dass die Fehler, die gemacht wurden, dem Wiederaufnahmegericht auffallen und sie die Ungerechtigkeit erkennen.

Eine Entscheidung über die Wiederaufnahme ist bisher nicht erfolgt.